Montag, 20. März 2017

Auf deutschen Autobahnen



Egoisten der Straße

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Samstag, den 18.03.2017; von Alfons Kaiser

Da kamen sie wieder zusammen, die Helden der Autobahn. Bei einem Auffahrunfall bei Mainz wurden im Feierabendverkehr am Donnerstag zwei Menschen schwer verletzt. Polizei und Feuerwehr waren schnell zur Stelle, oder besser: Sie wollten schnell zur Stelle. Denn was die Rettungskräfte auf dem Weg zum Unfallort erlebten, spottet jeder Beschreibung. Einige Autofahrer waren nicht bereit, eine Rettungsgasse zu bilden, weil sie sich in ihrem Vorwärtsdrang zurückgesetzt fühlten. Andere nutzten die Gelegenheit, indem sie sich direkt hinter die Rettungsfahrzeuge setzten – damit verbauten sie weiteren Rettern den Weg. Erst am Tag zuvor war es auf der Autobahn5 aus den gleichen Gründen zu einer verzögerten Rettung gekommen, als ein Arbeiter von einem Gerüst auf die Autobahn gestürzt war. Und als ob das noch nicht genug wäre, beschimpften die Blockierer auch noch die Rettungskräfte. Was für eine Unverschämtheit!

Man kann Freunden aus anderen Ländern schwer erklären, was auf deutschen Autobahnen los ist. Die Gemengelage aus fahrerischem Ehrgeiz, wachsender Übermotorisierung und blühendem Leichtsinn treibt Ausländern – aber nicht nur denen – den Schweiß auf die Stirn. Niemand will dem Volk der Technikfreunde die Freude am Fahren vermiesen. … Die Aggressionen in der Autonation sind geradezu körperlich spürbar.
1960 waren nur 4,5 Millionen Autos in Deutschland zugelassen, heute sind es zehn Mal so viele. Es wird also enger, und die Autobahnen sehen oft aus wie 1960. … .

Technische Überlegenheit und erhöhter Adrenalinspiegel züchten den Egoismus heran. Das Gaffen ist mit der Handy-Fotografie schlimmer geworden. Kaum jemand weiß, dass Rettungsgassen in der Straßenverkehrsordnung schon dann vorgeschrieben sind, wenn der Verkehr nur stockt. Bisher ist das Blockieren einer Rettungsgasse nur eine Ordnungswidrigkeit. Geldbuße: 20 Euro. Man wird es so halten müssen wie mit dem Telefonieren am Steuer: Mehr Bußgeld wird nicht alle abhalten, aber viele. Den Spaß am Auto wird es uns nicht vermiesen.


Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, dass der wegen des Dieselskandals von der Staatsanwaltschaft ins Visier genommene BMW-CEO Rupert Stadler in einem Interview der „Weltwoche“ gesagt hat, dass es auf Deutschlands Autobahnen keine Höchstgeschwindigkeit brauche, denn der Verkehr würde elektronisch geregelt  Nun, die Strecken, auf denen wegen eines hohen Verkehrsaufkommens mittels Anzeigen eine Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben wird sind wenige im Vergleich zum grossen deutschen Autobahnnetz. Viel mehr Strecken müsste da reguliert werden, aber dazu fehlt in Deutschland der Wille und das Geld – Milliarden fehlen den Deutschen für die Sanierung der Infrastruktur und den Schulen.

Erinnert sei auch an die das beispiellose deutsche Vorgehen allein die Ausländer – auch alle EU-Ausländer“ – für den Unterhalt der Autobahnen bezahlen zu lassen. Die deutschen Medien stellen nicht die grundsätzliche Frage, ob Ausländer durch die Maut diskriminiert werden; nein, sie beschäftigen sich nur mit der Frage, ob überhaupt ein Gewinn resultiert.

Mehr Flüchtlingskriminalität!



Mehr Kriminalität von Flüchtlingen im Südwesten! - und in der Schweiz?
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Freitag, den 17.03.2017
rso. STUTTGART, 16. März. Die Zunahme der Kriminalität von Flüchtlingen in Baden-Württemberg macht der Polizei, dem Landeskriminalamt sowie Innenminister Thomas Strobl (CDU) zunehmend Sorge. Obwohl die 167000 Flüchtlinge an der Wohnbevölkerung in Baden-Württemberg nur einen Anteil von 1,5 Prozent haben, ist ihr Anteil an den Tatverdächtigen mit 10,5 Prozent derzeit überproportional hoch. Das ergibt sich aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalitätsstatistik, die der Innenminister am Donnerstag vorstellte. Verstöße gegen ausländerrechtliche Straftatbestände sind aus diesen Zahlen schon herausgerechnet.

Die Zahl der Straftaten unter Flüchtlingen ist von 2015 auf 2016 um 140 Prozent gestiegen. Von 250000 Tatverdächtigen im Jahr 2016 waren 143000 Deutsche und 107000 Nichtdeutsche. 42 Prozent der Tatverdächtigen sind also Ausländer. Bei syrischen Flüchtlingen hat sich bei Körperverletzungsdelikten die Zahl der Verdächtigen von 2015 auf 2016 vervierfacht. Allerdings werden 60 Prozent der Straftaten, die Flüchtlinge begehen, in Unterkünften begangen, nur 40 Prozent in der Öffentlichkeit. Meistens handelt es sich um Diebstähle, Drogen- oder Körperverletzungsdelikte oder um das Erschleichen von Beförderungsleistungen. Die Opfer der kriminellen Flüchtlinge sind zu 80 Prozent andere Flüchtlinge. „Unter den Flüchtlingen befinden sich überproportional viele junge Männer, und es handelt sich größtenteils auch um Armutsdelinquenz. Wir wollen mit diesen Zahlen nicht diskriminieren, nicht dramatisieren, aber auch nicht bagatellisieren“, sagte Martin Jäger (CDU), Staatssekretär im Landesinnenministerium.

In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Fraktion hat das Innenministerium kürzlich auch Zahlen zu den Polizeieinsätzen in Landeserstaufnahmeeinrichtungen (LEA) genannt: Während es in den Jahren 2014 und 2015 etwa fünf Polizeieinsätze pro Tag in einer der rund 15 Erstaufnahmeeinrichtungen gab, waren es 2016 nach Angaben des Innenministeriums 18 pro Tag. Insgesamt waren es 2016 5668 Polizeieinsätze. Bei der Gesamtzahl der Straftaten gab es erstmals seit 2012 wieder einen Rückgang: Etwa 609000 Straftaten sind im Südwesten im vergangenen Jahr registriert worden, gut 60 Prozent davon wurden aufgeklärt. Das ist ein Rückgang von 1,3 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbrüche entwickelt sich ebenfalls positiv, sie hat um 9,5 Prozent abgenommen.

Dienstag, 14. März 2017

AHV – Streit um’s Zückerli: Frontwechsel aus Liebe zur Schweiz!


Parlamentarierinnen und Parlamentarier der FDP, der SVP mögen die Front wechseln - der Altersvorsorge "zu Liebe", aus "Liebe zur Schweiz"!


Die beiden Räte müssen sich einigen. Gewisse Revisionen in unserer Altersvorsorge sind dringend und erlauben keinen Aufschub: Die Anhebung des AHV-Alters für Frauen auf 65 Jahre und die Reduktion des Umwandlungssatzes auf 6,0 Prozent. Beide Anliegen sind schon in Volksabstimmungen abgelehnt worden. Es geht nur formal um einen Gegensatz zwischen Ständerat und Nationalrat. Die Fronten verlaufen zwischen CVP, BDP, Grünen und SP einerseits und der FDP mit der GLP im Schlepptau und der SVP anderseits, wobei deren Bauernvertreter – so ist zu hoffen – die Fronten noch wechseln werden. Auch die GLP möge sich ihre Position nochmals überlegen.

Wie die Gespräche in der Arena-Runde (Freitag, den 3.März) überzeugend aufgezeigt haben, ist der Ausgang einer Volksabstimmung ungewiss. Eine Vorlage, die die künftige AHV-und Pensionsbezüger nur benachteiligt, hat schlichtweg keine Chance - ohne Zückerchen geht es nicht. Die Frauen geben einen Vorteil – das (noch) um ein Jahr frühere Eintrittsalter in die AHV auf. Die Zahl der Frauen, die im Alter nur eine AHV-Rente erhalten ist relativ gross. Durch die Reduktion des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule sinken nach einer gewissen Übergangszeit alle zukünftigen Pensionen. Umfragen zeigen, dass die heute Erwerbstätigen – auch meine Söhne und Töchter – sich die gleiche Altersvorsorge wünschen wie wir „Alte“ – ich bin 80 – dies haben. Das ist leider u. a. des schwachen Euro wegen, der die Sparer und somit auch alle Lebensversicherungen und Pensionskassen höchst benachteiligt (u.a. Negativzinsen) unmöglich. Zudem geniessen wir noch den Vorteil, dass die Höhe unserer Pensionen nach dem Leistungsprimat festgelegt worden ist – heute gilt das Beitragsprimat.  Es gibt also schon verschiedene Pensionierten“klassen“ – ein Einwand der GLP gegen die 70 Franken pro Monat für Neurentner der AHV. Die Generation der AHV- und Pensionenbezüger hat wacker dazu beigetragen, dass die Initiative auf eine generelle AHV-Erhöhung um CHF 100/Monat am 11.07.2016 mit 60,4% „Nein“ versenkt worden ist. Das ist aber kein „Nein“ die AHV-Erhöhung der Neurenter betreffend (Argument SVP). Die zusätzlichen 70 Fränkli pro Monat können nicht mit dem Aufschrei „Giesskannenprinzip“ (FDP) abgeschossen werden. Bei 1’000 Franken AHV bedeuten 70 Franken/Monat mehr eine Erhöhung um 7%, bei 2’000 jedoch nur noch eine solche um 3,5%. Zudem wird die AHV-Prämie um 0,3% angehoben. Im Gegensatz zum sozialen Deutschland haben wir keine Deckelung der AHV-Beiträge. Bei einem monatlichen Einkommen über 23’000 Franken macht die Prämienerhöhung um 0,3% mehr als 70 Franken aus. Natürlich, den 70 Franken haftet ein linkes Gschmäckli an: Jede Erhöhung um einen fixen Betrag statt um einen bestimmten Prozentwert verwischt Unterschiede. Die deutschen Gewerkschaften sind da geradezu Meister: keine Lohnrunde ohne einen fixen Betrag für alle – von der Reinmachefrau bis zum Direktor. Aber was soll’s – ich verstehe das als Zückerli, damit endlich zwei Probleme unserer Altersvorsorge aus dem Weg geräumt sind.

Freitag, 10. März 2017

Tilman Knabe National Theater Mannheim (NTM) Richard Wagner Lohengrin-Inszenierung



Zu Recht wurde aus Leibeskräften gebuht

In der Festlichen Vorstellung von Richard Wagners „Lohengrin“ am Mannheimer Nationaltheater wurde aus Leibeskräften gebuht („Rhein-Neckar-Zeitung“ vom 21.02.2017) und das zu Recht. Es fragt sich nur, hatten die Damen und Herren, die in schöner Abendrobe zu erhöhten Preisen sich auf die Begegnung mit Lohengrin gefreut hatten keine Ahnung von der Art der Inszenierung? Aus früheren Enttäuschungen über Mannheimer-Inszenierungen schauen wir uns vor einer Kartenbestellung die Bilder im Internet an und lesen den NTM-Pressespiegel. Nun, in diesem Falle waren die Informationen nicht sehr aussagekräftig mit Ausnahme des einen Satzes in der Rezension der „Wiener Zeitung“ vom 05.04.2011:

 „Tilman Knabe inszeniert ein deftiges, derbes Totaltheater“. Mit einem Blick ins Internet  wurden wir fündig: Gewaltszenen bei „Salome“ in Essen, exzessive Gewaltdarstellungen einschließlich Massenvergewaltigungs- und Massenerschiessungsszenen bei „Samson et Dalila“ in Köln, sexgeladenen Händel-„Orlando“, ein kindisch-läppisches „Rheingold“ (in dem Alberich als Peepshowkunde onaniert), einer mit nackten Delinquenten geschmückten Puccini-„Turandot“.

Bilder, Bücher, Filme aber auch Theater-Inszenierungen sind von der Persönlichkeit des Künstlers geprägt. Es ist zu wünschen, dass das NTM diese Lohengrin-Inszenierung am Ende dieser Saison absetzt. Die meisten Opernbesucher sind weder sadistisch veranlagt noch sexuell überspannt.